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Sigmund Freuds Grundregel:"Noch eines, ehe Sie beginnen. Ihre Erzählung soll sich doch in einem
Punkte von einer gewöhnlichen Konversation unterscheiden. Während Sie sonst mit Recht versuchen, in Ihrer Darstellung den Faden des Zusammenhangs festzuhalten, und alle störenden Einfälle
und Nebengedanken abweisen, um nicht, wie man sagt, aus dem Hundertsten
ins Tausendste zu kommen, sollen Sie hier anders vorgehen.
Sie werden beobachten, dass Ihnen während Ihrer Erzählung verschiedene
Gedanken kommen, welche Sie mit gewissen kritischen Einwendungen zurückweisen möchten. Sie werden versucht sein, sich zu sagen: Dies oder jenes gehört nicht hierher, oder es ist
ganz unwichtig, oder es ist unsinnig, man braucht es darum nicht zu
sagen. Geben Sie dieser Kritik niemals nach und sagen Sie es trotzdem, ja gerade darum, weil Sie eine Abneigung dagegen verspüren. Der Grund für diese Vorschrift - eigentlich die einzige, die Sie befolgen sollen - werden Sie später erfahren und einsehen lernen: Sagen Sie also alles,
was Ihnen durch den Sinn geht. Benehmen Sie sich so, wie zum Beispiel ein Reisender, der am Fensterplatze des Eisenbahnwagens sitzt und dem
im Inneren Untergebrachten beschreibt, wie sich vor seinen Blicken die Aussicht verändert. Endlich vergessen Sie nie daran, dass Sie volle
Aufrichtigkeit versprochen haben, und gehen Sie nie über etwas hinweg, weil Ihnen dessen Mitteilung aus irgendeinem Grunde unangenehm ist."
Sigmund Freud: Studienausgabe. Schriften zur Behandlungstechnik. S.
Fischer 1975, S. 194f.
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